Gruppe fröhlicher Menschen

Erwählt. Geliebt. Gewollt.

Jürgen Ferrary
3. März 2026

Mit zwölf lernte ich meinen Vater kennen. Er hatte die Familie verlassen, als ich klein war. Meine Mutter war verletzt – und wir Kinder hörten lange nur eine Seite der Geschichte. Ich glaubte, er sei ein Mann, der uns nicht wollte. Bis ich ihm zufällig auf der Straße begegnete. Er war anders. Zugewandt. Interessiert. Die Sonntage mit ihm wurden für mich zu etwas Besonderem. Zeit. Aufmerksamkeit. Er sah mich.

Eines Tages fragte ich ihn, warum er gegangen war. Seine Antwort traf mich unvorbereitet. Er sprach von einer kaputten Ehe, von den Alkoholproblemen meiner Mutter – und dann fiel ein Satz, der mir den Boden unter den Füßen wegzog: „Deine Mutter hat heimlich die Pille abgesetzt und wurde mit dir schwanger, damit ich bleibe.“

Mit einem Schlag war da dieser Gedanke: Ich war kein Wunschkind. Kein geplanter Traum. Sondern Mittel zum Zweck.

So cool ich nach außen tat – innerlich zerbrach etwas. Das Gefühl, eher ein Unfall als ein Geschenk zu sein, frisst sich tief ins Herz. Wenn ich nicht gewollt war – bin ich dann überhaupt etwas wert? Fehlt der Welt etwas, wenn es mich nicht gäbe?

Vielleicht kennst du ähnliche Gedanken. Vielleicht aus deiner Geschichte. Vielleicht aus zerbrochenen Beziehungen. Vielleicht aus Worten, die man dir an den Kopf geworfen hat. Es ist eine der zerstörerischsten Lügen überhaupt: Du bist nicht gewollt. Du bist zufällig. Du bist ersetzbar.

Aber das ist nicht Gottes Stimme. Die Bibel sagt im Erster Thessalonicherbrief 1,4: „Wir wissen, von Gott geliebte Brüder und Schwestern, dass ihr erwählt seid.“

Erwählt.
Geliebt.
Gewollt.

Unabhängig davon, wie deine Eltern zu deiner Geburt standen. Unabhängig von Chaos, Schuld oder Zerbruch. Gott macht keine Fehler. Ja, Menschen treffen Entscheidungen. Menschen verletzen sich. Beziehungen zerbrechen. Aber kein Leben entsteht außerhalb von Gottes Wissen. Kein Herz schlägt zufällig.

Spätestens als meine Frau und ich selbst lange auf Kinder warteten, wurde mir neu bewusst, was für ein Wunder Leben ist. Es ist zerbrechlich. Kostbar. Unverfügbar.

Und genau deshalb glaube ich zutiefst: Du bist nicht hier, weil etwas schiefgelaufen ist. Du bist hier, weil Gott „Ja“ zu dir gesagt hat. Vielleicht warst du für Menschen ungeplant. Aber du warst nie ungeplant für Gott.

Er hat dich gesehen, bevor dich irgendjemand bewertet hat. Er hat dich gewollt, bevor irgendjemand an dir gezweifelt hat. Er hat dich geschaffen – mit Absicht.

Wenn du dich klein fühlst, unwichtig oder überflüssig: Das ist nicht die Wahrheit über dein Leben. Die Wahrheit ist: Du bist kein Unfall. Du bist kein Druckmittel. Du bist kein Versehen. Du bist gewollt.

Und diese Wahrheit darf lauter werden als jede alte Geschichte.

Kleine Herausforderung: Nimm dir heute einen Moment der Stille und sprich diesen Satz bewusst über deinem Leben aus: „Gott, ich glaube, dass ich gewollt bin.“ Auch wenn es sich noch fremd anfühlt – wiederhole es. Bitte Gott, alte Lügen zu entlarven und dein Herz neu mit seiner Wahrheit zu füllen.

Sei gesegnet!

„Warum sich anpassen, wenn man geboren wurde, um aufzufallen?“ (Dr. Seuss).

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